
(Bildquelle:
bol.de)
Ich erlaube mir, die bereits auf meinem Blog veröffentlichte Rezension auch hier noch einmal zu verwenden - hat mir dieses Buch doch soviel Vergnügen bereitet, dass ich es nicht versäumen möchte, noch eine breitere Öffentlichkeit davon zu unterrichten...
In diesem Sinne sei gesagt:
Alles begann damit, dass ich - ich gestehe es - einen dummen Fehler gemacht habe. Ich habe auf die Empfehlungen diverser Feuilleton-Redaktionen gehört und ein Buch gekauft UND dann auch noch gelesen, welches dort kategorisch hochgelobt wurde. Ich habe Germanistik studiert. Ich hätte es besser wissen müssen.
Aber nein. Dachte ich mir doch tatsächlich, wenn es sooo gelobt wird, kannst du's doch auch mal lesen. Ein Anfängerfehler. Und so bin ich nun stolze (???) Besitzerin von
Thomas Glavinics Machwerk "Die Arbeit der Nacht" und kann meinen Lesern nach der Lektüre eigentlich nur eins mitteilen: Was für eine unsagbare Zeit-, Geld- und Papierverschwendung!
Mal ehrlich - jeder Baum, der dafür gestorben ist, dass dieses Buch gedruckt werden konnte, starb nicht nur umsonst, nein, er hätte auch tausend nützlichere Dinge mit seinem Leben tun können. Auf die Gleise fallen und ein Zugunglück verursachen zum Beispiel. Dadurch wären deutlich weniger Menschen geschädigt worden als es nun bei der Lektüre dieses 400seitigen Abgesangs auf die Ödnis passiert!
Die Handlung ist schnell erzählt. Der Held erwacht eines Morgens und stellt fest, dass keine Zeitung gekommen ist, TV, Radio und Internet nicht funktionieren und sich auch keine Menschenseele außer ihm blicken lässt. All das passiert auf der ersten Seite. Ich fand es originell und war gespannt, was noch passieren würde. Die Antwort darauf ist einfach.
NICHTS!
Unser Held stellt fest, dass er der letzte / einzige Mensch bzw. sogar das einzige Lebewesen auf Erden zu sein scheint und stolpert sodann über 400 Seiten durch ein menschenleeres Österreich, schreibt Briefe an sich selbst, hinterlässt Nachrichten und wird zunehmend paranoid. Zwischendurch lebt er noch mittels Vandalismus ein paar verdrängte Aggressionen aus und installiert an allen möglichen und unmöglichen Orten Kameras, deren Aufzeichnungen er sich dann stundenlang ansieht. Überraschenderweise sieht er wenig Handlung. Was ihn aber nicht daran hindert weiterzumachen. Und weiter und weiter und weiter.
Spätestens ab der Mitte des Buches beginnt der geneigte Leser zu verzweifeln. Irgendetwas müsste doch mal passieren, oder? Aber nein. Der Held filmt und beobachtet, schreibt und verfällt dem Wahnsinn und so weiter und so weiter und so fort.
Nach 2/3 des Buches wird diese Beschreibung so nervtötend, dass man sich auch als Leser langsam ein wenig paranoid zu fühlen beginnt und bei jedem Geräusch aufschreckt. Dadurch kommt wenigstens noch ein bisschen Spannung zu Stande. Aber auch an die hat man sich schnell gewöhnt und weiter geht's in gähnender Langeweile.
Wenn man dann glücklich überzeugt ist, dass es wirklich nicht mehr sinnfreier werden kann, besucht der Held übrigens einen Friedhof, buddelt seine tote Nachbarin aus, freut sich, dass zumindest die Leichen noch da sind und gräbt sie wieder ein. Erkenntnis aus der Geschichte? Folgen? Reflexionen? Psychologie? IRGENDETWAS???
Natürlich nicht.
Als der Held dann allmählich auch noch suizidal wird, stellt sich (bei mir zumindest) keinerlei Mitleid ein, sondern nur die Hoffnung darauf, dass sich das Buch endlich seinem Ende nähern könnte. Das tut es dann auch. Wer jetzt allerdings hofft, dass wenigstens zu diesem noch ein paar Worte über Sinn und Zweck der vergangenen 400 Seiten fallen könnten, der hofft vergebens und so bleibt einem nur, das Buch beiseite zu legen und dann den Kopf ein paar mal kräftig gegen die Wand zu schlagen. Mit Glück löst man dadurch eine Amnesie aus und vergisst diesen faszinierenden Roman schnell wieder...